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MSR 300 – Radmarathon mit besonderer Bedeutung

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Fünf Vereinsmitglieder, ein Ziel: 300 Kilometer bei der Mecklenburger Seen Runde.  Jeder hätte einzeln starten können, aber wer will das schon, wenn man Vereinskameraden hat?

Doch in diesem Jahr war die MSR für uns mehr als nur ein sportliches Event. Kurz vor dem Start haben wir einen Vereinskameraden verloren – völlig unerwartet. Er hatte sich auf die MSR gefreut und wollte sie mit seiner Frau und uns gemeinsam bestreiten. Lange haben wir überlegt, ob wir überhaupt teilnehmen sollten. Am Ende entschieden wir uns bewusst dafür: zu fahren, zusammen, in seinem Andenken. Und natürlich war er auf dieser Runde bei uns – in unseren Gedanken, in den Gesprächen, in den ruhigen Momenten. Diese Fahrt war auch für ihn.

Schon am Vorabend trafen wir uns zum gemeinsamen Abendessen. Eigentlich dachten wir, es würde um Taktik gehen – Tempo, Sitzcreme, Verpflegung. Stattdessen drehte sich alles um die eine, wirklich große Frage: Wann steht man eigentlich am besten auf, um pünktlich um 4:50 Uhr am Startpunkt zu sein? Die Diskussion war lebhaft: zwischen militärisch durchgetaktet („Aufstehen 3:47 Uhr, Frühstück exakt 17 Minuten“) und entspanntem Chaos („Ich stell drei Wecker und hoffe, dass einer funktioniert“) war alles dabei.

Vier von uns starteten dann tatsächlich um 4:50 Uhr, frisch und voller Ambitionen. Ein Vereinsmitglied war sogar schon eine Stunde früher unterwegs – in der von zwei Guides geführten Gruppe.

Unterwegs gab es nicht nur Verpflegung, sondern auch jede Menge Motivation – und die kam zum Teil direkt von der Straße: Bei Kilometer 3 etwa prangte in großen Buchstaben auf dem Asphalt der Satz: „Nur noch 297 Kilometer.“ Da wussten wir: Der Humor wird heute mindestens genauso lang wie die Strecke.

Ist es noch weit? JA!
Ist es noch weit? JA!

Die sieben Verpflegungsstationen waren fast ein Highlight für sich: von warmem Frühstück bis Fleischbällchen, von Sonnenaufgang bis Lagerfeuer war alles dabei. Besonders erwähnenswert: ein See direkt an einer Station – der sich kurzerhand zum kollektiven Badeort für mutige (nicht wir!) Teilnehmer entwickelte. Klassenfahrt mit Carbonrahmen, halt.

Die Tour selbst wurde zur echten Teamleistung: Wir rollten zusammen durch die wunderschöne Landschaft, teilten uns die Führungsarbeit und hielten den Laden auch nach 300 Kilometern noch zusammen. Ohne Pannen – aber mit ordentlich Beinen.

An der vorletzten Verpflegungsstation wartete dann unser fünftes Vereinsmitglied auf uns – der Fahrer aus der geführten Gruppe hat sich uns für das letzte Teilstück angeschlossen. Doch kurz nach der gemeinsamen Weiterfahrt ging plötzlich gar nichts mehr. Magenverstimmung? Kreislauf? Vielleicht ein Happen zu viel oder zur falschen Zeit – jedenfalls musste er abrupt am Straßenrand anhalten und sich hinsetzen. Der Kreislauf war völlig im Keller, und schnell war klar: Weiterfahren war keine Option.

Wir standen alle ratlos im Nirgendwo – ohne Internetempfang, ohne genaue Standortbestimmung. Die einzige Lösung: Er rief seine Frau an, um sich abholen zu lassen. Aber wo genau wir waren, ließ sich durch das fehlende Internet kaum sagen.

Und dann – als hätte ihn jemand geschickt – kam Detlef, der Organisator der MSR. Einfach so, mit dem Auto, zufällig. Er hielt sofort an, übernahm die Situation und nahm unseren Vereinskameraden kurzerhand mit zur letzten Station, wo eine medizinische Versorgung sichergestellt war. Eine Riesen-Erleichterung für uns alle. In dem Wissen, dass er gut aufgehoben war, konnten wir mit ruhigem Gewissen weiterfahren. Danke, Detlef!

Schon auf den ersten Kilometern trafen wir auf Bernd – einen Fahrer aus Heilbronn. Irgendwo unterwegs trafen wir aufeinander – und wie das unter Radfahrern so ist, braucht es keine langen Worte, um gemeinsam weiterzufahren. Bernd brachte frischen Schwung, gute Laune und echte Ausdauer mit und wurde ganz selbstverständlich Teil unseres Teams. Gemeinsam rollten wir weiter, formierten uns neu, fanden ein neues Gleichgewicht. Es war eine der schönen Erinnerungen dieses Tages: wie schnell aus Fremden – Fahrpartner werden. Auch das ist MSR – offen bleiben, neue Menschen kennenlernen, Horizonte erweitern.

Und zur Dauer: Reine Fahrzeit etwa 11,5 Stunden. Gesamtzeit? 14,5 Stunden. Klar, andere fahren das vielleicht schneller. Aber wenn man an jeder Station so lange bleibt, bis man sicher ist, nichts verpasst zu haben – kulinarisch wie atmosphärisch – dann dauert’s eben ein bisschen länger. Dafür gab’s gute Gespräche, volle Teller und null Reue.

Zieleinlauf (c) sportograf

Richtig emotional wurde es auf den letzten Kilometern. Am Straßenrand standen unzählige Menschen – mit Transparenten, Gesängen, lautem Jubel. Besonders die letzten zehn Kilometer fühlten sich dadurch nicht mehr wie ein Kraftakt an, sondern wie ein Einzug ins Ziel, getragen von echter Begeisterung. Das hat uns alle nochmal richtig gepusht.

Am Ende bleibt der Beweis: Solche Events sind gut. Mit dem Verein? Noch besser.